Digitalisierung in allen Lebensbereichen

Zusammen zu Hause

Von Katharina Lehmann · 2020

Wo das soziale Leben offline heruntergefahren wird, pulsiert es in der digitalen Sphäre. Chats mit Freunden und Familie, Videokonferenzen mit Kunden und Kollegen, Online-Shopping statt Einkaufsbummel und nicht zuletzt der Stream der Liebslingsband gewinnen in der Zeit des Social Distancing an Bedeutung. Durch Corona werden digitale Technologien zur Selbstverständlichkeit.

Ein Kind sitzt mit Tablet auf der Couch, die Mutter daneben mit einem Laptop. Thema: Digitalisierung in allen Lebensbereichen
Im Lockdown lernen und arbeiten Familien gemeinsam zu Hause. Foto: iStock / dragana991

Der Hashtag #StayAtHome ist derzeit in aller Munde. Oder besser: auf allen Bildschirmen. Denn wir bleiben zu Hause. Nur so schützen wir unsere Mitmenschen und uns selbst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Soziale Kontakte, sei es im Berufs- oder im Privatleben, können wir in Zeiten von Social Distancing aber trotzdem aufrechterhalten – den digitalen Technologien sei Dank. „Die Corona-Krise hat uns die Bedeutung digitaler Technologien für Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft sehr klar vor Augen geführt. Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben“, erklärte Achim Berg, Präsident des Branchenverbands Bitkom Ende März in Berlin. „Wir haben uns in der Vergangenheit zu viel Zeit bei der Digitalisierung gelassen. Jetzt heißt es, digitale Infrastruktur aufzubauen, Geschäftsprozesse umfassend zu digitalisieren und neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln“, fordert Berg.

Digitalisierung in allen Lebensbereichen – Arbeiten vom Sofa aus

Dabei wird die Digitalisierung in der Breite der deutschen Wirtschaft positiv gesehen. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der deutschen Unternehmen hätten bereits vor Corona eine Digitalstrategie entwickelt, erklärte der Verband und verwies auf eine Umfrage unter Unternehmen mit 20 oder mehr Beschäftigten aller Branchen, die bereits im Januar und Februar, also noch vor den Ausgehbeschränkungen, durchgeführt worden war. „Aktuell zeigt sich, dass, wer bei der Digitalisierung schon sehr weit war, durch Corona am wenigsten eingeschränkt wurde und schnell in eine neue Arbeitsweise gefunden hat“, hat auch Christopher Meinecke, Leiter des Bereichs Digitale Transformation beim Bitkom, festgestellt. „Egal ob Homeoffice, digitale Schule oder digitale Verwaltung: Überall, wo die digitale Transformation schon weit war, konnte man nahtlos in einen neuen Modus kommen. Gerade die Digitalunternehmen, beispielsweise der Online-Handel, haben momentan die wenigsten Probleme.“ Doch nicht nur die Geschäftsprozesse werden digital. In den vergangenen Wochen arbeiteten Millionen Deutsche vom Sofa aus. Mit Firmenlaptop und Rufumleitung aufs Handy waren sie für Kunden und Geschäftspartner erreichbar. Corona zwingt viele Unternehmen und Institutionen jetzt dazu, das Arbeiten im Homeoffice voranzutreiben – selbst dort, wo es vor wenigen Wochen noch undenkbar war. „Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Flexibilität im Beruf und die Höchstarbeitszeit werden dadurch plötzlich aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachtet“, weiß Meinecke. Und vielfach könne man auch die Zeit, die man vorher im Zug, im Bus oder im Flugzeug oft wenig produktiv verbracht hat, nun viel effizienter nutzen. Für Meetings und Verhandlungen, Besprechungen und Abstimmungsprozesse greifen Mitarbeiter und Unternehmer aller Branchen zu E-Mail und Telefon, vor allem aber zur Videokonferenz.

Wenn schon alleine feiern, dann richtig

Und das nicht nur im Berufsleben, auch privat gewinnen Videokonferenzen und Chats an Bedeutung. Die Geburtstagsparty für die Schwester – statt sie ausfallen zu lassen, prosten sich Familie und Freunde per Videochat zu. Und das Feierabendbier genießen immer mehr Heimarbeiter per Facetime oder Skype. Auch Clubs und Musiker machen mit: Unter dem Motto „Wenn schon alleine feiern, dann richtig“ streamen die Berliner Clubs, Veranstalter und Künstler auf der Plattform „United we stream“ jeden Abend Sets aus den angesagtesten Clubs der Hauptstadt. Das Publikum tanzt zwar nicht vor dem DJ-Pult, sondern in den eigenen vier Wänden. Streamen kann die Sets aber jeder – und zusätzlich für den Erhalt der Clubs spenden. In einem sechsstündigen Livestream kamen Mitte April Dutzende Musiker, darunter Stars wie Lady Gaga und Elton John, Stevie Wonder und Paul McCartney, die Rolling Stones, Adam Lambert, Billie Eilish und Rita Ora, zu einem virtuellen Festival zusammen. Organisiert wurde das Event „One World: Together At Home“ von Global Citizen, der WHO und den Vereinten Nationen (UN). Mit der Marathon-Aktion sollte vor allem dem Gesundheitspersonal an der Corona-Front gedankt werden.

Digitale Infrastruktur schnellstmöglich ausbauen

Nach Einschätzung der Bitkom könne das Coronavirus die Digitalisierung in Deutschland erheblich fördern. Die Corona-Krise zeigt, wie abhängig wir inzwischen von digitalen Technologien sind. Der größte deutsche Internet-Knotenpunkt De-Cix hat in Frankfurt Anfang April einen Rekord gemessen: 9,1 Terabit an Daten wurden in einer Sekunde ausgetauscht – so viel wie nie zuvor. „Internet-Nutzung spielt eine immer größere Rolle“, heißt es dazu in einer Pressemeldung. Damit Videokonferenzen, Streams und Internettelefonie reibungslos laufen – vor allem, wenn alle im Home Office sind und die digitalen Medien vermehrt nutzen – braucht es schnelles Internet und hohe Bandbreiten. Der Ausbau hochmoderner Leitungen und Technologien muss weiter vorangetrieben werden – und zwar schnell und unbürokratisch. Denn die derzeitige Krise zeigt uns, wie wichtig die Digitalisierung für ein funktionierendes Gemeinwesen und eine funktionierende Wirtschaft ist und wie dringend Deutschland eine leistungsfähige digitale Infrastruktur braucht.

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