Digitale Infrastruktur im Bildungswesen

Schneller, leichter, unbürokratischer

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2022

Im internationalen Vergleich gehört Deutschland bei der Digitalisierung des Bildungswesens zu den Schlusslichtern. Während Norwegens Schüler schon seit 2013 mit Laptops ausgestattet sind und Dänemark seit 2001 die Schulen mit einem Digitalpakt fit macht, haben noch nicht einmal alle deutschen Schulen eine stabile Internetverbindung. Grund für das Stocken des digitalen Wandels ist die Bürokratie.

Kinder im Klassenzimmer arbeiten zusammen an Laptops
Foto: iStock/SeventyFour

Bei der Digitalisierung der Schulen hakt es. Zwar will die derzeitige Bundesregierung die deutschen Schulen zum modernsten Ort der Republik machen, die Realität sieht aber derzeit noch anders aus. An jeder fünften weiterführenden Schule in Deutschland fehlt es an WLAN-Zugängen oder an Serverleistung oder gar an beidem, ergab eine Umfrage im Auftrag des IT-Dienstleisters Rednet unter 100 Schulträgern mit zusammen 620 Schulen und 180.000 Schülern. An 40 Prozent der Schulen fehlen digitale Endgeräte. Und wo es Hardware gibt, mangelt es an Softskills: Jede dritte Lehrkraft ist für den digitalen Unterricht nicht ausgebildet.

Dabei hat gerade die Coronapandemie in den vergangenen zwei Jahren sehr eindrucksvoll gezeigt, wie essenziell eine digitale Bildungslandschaft ist. Schulen waren monatelang geschlossen, es mangelte gerade in der ersten Welle am Zugang zu Lernplattformen. Deshalb brachten engagierte Lehrer den Unterricht auf eigene Faust per Skype, Zoom & Co. in die Kinderzimmer. Schüler lernen via Internet – wer keinen Laptop hatte, war aber ganz auf sich allein gestellt. Und auch wenn die Schulen in den Monaten der vierten Coronawelle nicht wieder komplett geschlossen wurden – rosig war die Situation trotzdem nicht. Immer wieder mussten Schülergruppen oder gar ganze Klassen in Quarantäne, verpassten wichtigen Unterrichtsstoff. Dabei wäre es gerade jetzt so wichtig, dass die Schüler das Verpasste der zurückliegenden Jahre aufholen. 

7,15 Milliarden Euro für Schulen

Dass das Niveau der Digitalisierung an deutschen Schulen fatal ist, ist schon lange kein Geheimnis. Schon 2019, also im Jahr vor der Pandemie, legte die Bundesregierung deshalb den DigitalPakt Schule auf. Bis Ende 2024 soll der digitale Wandel der Bildungseinrichtungen mit insgesamt 6,5 Milliarden Euro vorangetrieben werden. Da die Länder die Bundesmittel um zehn Prozent aufgestockt haben, stehen insgesamt sogar 7,15 Milliarden Euro zur Verfügung. 

Für den Ausbau der Infrastruktur in den Schulen liegen aus dem Paket fünf Milliarden Euro bereit, von denen nach Angaben des Bundesbildungsministeriums bis Ende des Jahres 2021 erst rund 1,2 Milliarden Euro abgerufen und 2,4 Milliarden Euro bewilligt worden sind. Zudem gibt es 500 Millionen Euro für Endgeräte für Schülerinnen und Schüler, die fast komplett abgerufen wurden. In Leihgeräte für Lehrkräfte sollen 500 Millionen Euro fließen – 300 waren es bisher tatsächlich. Weitere 500 Millionen Euro wurden zur Förderung von Administratoren für digitale Technik bereitgestellt. Davon flossen bisher nur elf Millionen Euro. Der DigitalPakt Schule kommt also nicht wirklich in Schwung. „Auch wenn der DigitalPakt Fahrt aufnimmt, bleiben die Zahlen hinter unseren Erwartungen zurück. Eine weitere Beschleunigung ist dringend nötig“, sagt Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger. Gemeinsam mit den Ländern wolle sie deshalb die bürokratischen Hürden weiter abbauen. 

Digitale Infrastruktur im Bildungswesen: Zuständig sind die Länder

Es sind gerade diese bürokratischen Hürden, die immer wieder in der Kritik stehen. Denn für die Digitalisierung in den Schulen sind nach aktueller Regelung die Länder zuständig. Und da unterscheiden sich die Regelungen teils erheblich. In Hessen zum Beispiel sind Glasfaseranschlüsse Bedingung. Die gibt es aber gar nicht überall. Für das Antragsverfahren müssten je nach Bundesland mitunter detaillierte Bedarfsprüfungen an Schulen, umfangreiche Vorbereitungen europaweiter Ausschreibungen sowie mit den beteiligten Schulen abgestimmte Berichte über technisch-pädagogische Einsatzkonzepte erstellt werden. Zudem müssten alle geplanten Maßnahmen einzeln bei den Bezirksregierungen beantragt und hierfür ausführlich begründet werden.

Das Problem: Schulen und Kommunen haben dafür aber kaum Zeit und Personal. Auch befürchten Kommunen, auf den Folgekosten sitzen zu bleiben, und halten sich deshalb zurück. Weitere bürokratische Vorgaben der Kultusminister bremsen zusätzlich. Ein deutliches Indiz dafür, dass das Problem bei den Ländern liegt: In Hamburg, Bremen und Berlin ist die Digitalisierung deutlich weiter fortgeschritten. In den Stadtstaaten gibt es die Trennung zwischen Land und Kommune nicht. Ein Problem, das auch die Bundesbildungsministerin erkannt hat. So bräuchte es für eine schnellere Digitalisierung der Schulen unkomplizierte Verfahren, fordert Stark-Watzinger.

Doch nicht nur das. Die Schulen und Kommunen brauchen auch die Garantie, dass die Gelder wirklich fließen – und zwar auch über das Jahr 2024 hinaus. Denn Digitalisierung ist niemals abgeschlossen: Ausgaben für Geräte, Programme und Schulungen fallen immer wieder aufs Neue an. Ein Digitalpakt 2.0 muss also zeitlich unbegrenzt sein und vor allem schnell und unbürokratisch vollzogen werden.

 

Quellen:
Bundesministerium für Bildung und Forschung: Weitere Beschleunigung des DigitalPakts nötig
Handelsblatt: Dauerauftrag Digitalisierung: Bildungsföderalismus ist nicht mehr zeitgemäß
Einfach.Digital.Lernen.: Die Ampel-Koalition verspricht schon einen Digitalpakt 2.0 – dabei hakt es noch beim alten

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