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Geschlechterverhältnisse

Fair teilen – gerecht durch die Krise

Von Deutscher Frauenrat – Lobby der Frauen in Deutschland e. V. (DF) · 2020

Mona Küppers

Frauen leisten in der aktuellen Krise in „systemrelevanten” Bereichen Immenses. Dafür erhalten sie viel Beifall. Doch bei den politischen Entscheidungen im Krisenmanagement sind sie kaum dabei; die meisten Maßnahmen übergehen ihre Lebenslagen und Bedürfnisse. Das kann nicht gut gehen, denn eine am Gemeinwohl orientierte Krisenpolitik muss die gesellschaftliche Perspektive und Kompetenzen beider Geschlechter gleichermaßen berücksichtigen, so Mona Küppers, Vorsitzende des Deutschen Frauenrats.

Das fängt beim milliardenschweren Corona-Rettungspaket an. Hier zeichnen sich bereits die Fehler der Vergangenheit ab. Denn sowohl nach der Wende 1989 als auch in der Finanzkrise 2008 konzentrierte sich die Rettung auf männerdominierte Branchen. Das darf sich nicht wiederholen. Einige der frauendominierten Branchen, wie der Einzelhandel, das Gastgewerbe oder die Tourismusbranche, sind durch die Corona-Krise besonders stark betroffen. Diese Branchen sind für unsere Volkswirtschaft aber genauso relevant wie etwa die Automobilindustrie und müssen gleichermaßen unterstützt werden.

Emanzipationsgewinn in Gefahr

Frauen arbeiten häufig in (schlechter bezahlten) Teilzeit- und Minijobs und seltener in besser bezahlten Führungsfunktionen als Männer, auch weil sie die Hauptlast der familiären Sorgearbeit tragen. Dies wird durch den immer noch eingeschränkten Regelbetrieb von Kitas und Schulen verschärft. Dadurch haben sie es schwerer im Beruf und häufiger als Männern droht ihnen der komplette Verlust der Erwerbsarbeit. Wenn Konjunkturmaßnahmen die geschlechtsspezifischen Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt nicht berücksichtigen, wird der Emanzipationsgewinn, den Frauen durch Erwerbsbeteiligung und ökonomische Unabhängigkeit in den letzten Jahrzehnten erzielt haben, zunichtegemacht. 

Gleichstellungspolitik ist Wirtschaftspolitik

„Ohne die Leistung der Frauen wäre der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht Weltspitze“, stellte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier fest. Doch schlägt sich diese Erkenntnis in der ökonomischen Krisenbewältigung nirgends nieder. Dabei belegen Studien: Je mehr Frauen einer bezahlten Arbeit nachgehen, desto besser geht es der Wirtschaft eines Landes. Eine Konjunkturpolitik ist daher nur wirtschaftlich sinnvoll, wenn sie die Erwerbsbeteiligung von Frauen stärkt, indem sie frauendominierte Branchen während und nach der Krise staatlich unterstützt, Beschäftigungsbedingungen in „frauentypischen“ Arbeitsverhältnissen verbessert, wenn die Löhne und Gehälter dort deutlich angehoben werden und mehr Frauen der Einstieg in bislang von Männern beherrschte Bereiche erleichtert wird. 

Systemrelevant im Akkord: Näherinnen in Lwiw, Ukraine 2020.

Gleichstellungspolitik muss also zum integralen Bestandteil nachhaltiger Wirtschafts- und Strukturpolitik werden. Wesentlich dafür ist die faire Verteilung öffentlicher Finanzmittel nach dem Prinzip des geschlechtergerechten Haushalts. Das heißt, die Verteilung öffentlicher Einnahmen und Ausgaben muss systematisch unter dem Aspekt der Herstellung der Geschlechtergerechtigkeit analysiert, bewertet und geplant werden. Eine weitere kluge Maßnahme wären öffentliche Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen. Diese werden zum größten Teil von Frauen erbracht – 90 Prozent davon weder sozialversichert noch als Minijob. Damit würde eine weiblich konnotierte Branche aufgewertet, die dort Beschäftigten sozial abgesichert, die Einnahmen in den Sozialversicherungen verbessert und mittelbar die Erwerbstätigkeit der Frauen gefördert, die diese haushaltsnahen Dienstleistungen beanspruchen könnten. Wenn die Zuschüsse nach sozialen Kriterien ausgestaltet werden, können auch Haushalte mit geringen Einkommen erreicht werden, darunter viele alleinerziehende Frauen.

Geschlechterverhältnisse: Rolle rückwärts aufhalten

Eine solche gleichstellungspolitisch orientierte Wirtschafts- und Strukturpolitik kann die Rolle rückwärts in längst überwunden geglaubte Rollenbilder und Geschlechterverhältnisse aufhalten. Diesem Rollback haben unlängst auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfrauenministerin Franziska Giffey den Kampf angesagt.

Kontakt

Deutscher Frauenrat – Lobby der Frauen in Deutschland e. V. (DF)
Axel-Springer-Straße 54a
10117 Berlin
E-Mail: kontakt@frauenrat.de
Web: https://www.frauenrat.de

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